Kingsport Festival: Schrecken beschwören

Die Welt von H.P. Lovecraft ist ein gern genommenes Thema in Brett- und Kartenspielen. „Munchkin Cthulu“ befasst sich auf humorvolle Weise mit Lovecrafts Cthulu-Mythos, in „Die Sterne stehen richtig“ sollen die großen Alten aus diesem Universum beschwören werden und auch kooperative Brettspiele wie „Arkham Horror“ und „Villen des Wahnsinns“ sind in der Welt von H.P. Lovecraft angesiedelt. Der Kosmos Verlag hat mit „Kingsport Festival“ nun ein Spiel aus dem H.P. Lovecraft herausgebracht, bei dem man diesmal in die Rolle der Bösen schlüpft.

Schön aufgemachte Regeln

Was mit beim ersten öffnen der Spielschachtel aufgefallen ist, ist das Regelwerk. Das 16seitige Heft, erschlägt einen auf den ersten Blick erstmal und lässt ein kompliziertes Spiel vermuten, doch wenn man genauer hinschaut, stellt man schnell fest, dass auf diesen 16 Seiten nicht nur spielrelevante Daten präsentiert werden, sondern auch eine Menge Hintergrundwissen zur Welt von H.P. Lovecraft. Dadurch wird dem Regelwerk ein wenig der Schrecken genommen, wenngleich „Kingsport Festival“ kein Spiel ist, was man mal eben in zwei Minuten erklärt.

Viel Platz nötig

Was dann als zweites auffällt, ist, dass das Spiel eine ganze Menge Platz braucht. Neben dem recht großen Spielplan, braucht man nämlich noch Platz für die großen Karten mit den unterschiedlichen großen Alten, sowie für einige Kartenstapel und Spielsteine. „Kingsport Festival“ ist somit kein Spiel für kleine Tische, ein 2 Meter lange Tisch sollte es schon sein, damit man zu viert bequem spielen kann.

Aufbauen

Doch worum geht es in „Kingsport Festival“ überhaupt? Und wie wird gespielt? Zunächst einmal wird der Spielplan, der unterschiedliche Gebäude aus Kingsport zeigt und dazu dient Siegpunkte und bestimme Spielerwerte nachzuhalten, in der Tischmitte ausgelegt. Danach werden die Karten mit den großen Alten rund um den Plan ausgelegt. Dann werden noch die Karten für die Ermittler und die drei Zauberspruchkarten bereitgelegt und jeder Spieler bekommt seine persönlichen Ressourcenwürfel und Holzsteine. Zuletzt wird noch eine Szenarienkarte zufällig gezogen, vorgelesen und offen auf das entsprechende Feld auf dem Spielplan gelegt und gegebenenfalls eine Festivalkarte unter diese gelegt. Dann kann es losgehen.

Eine Partie „Kingsport Festival“ geht danach über 12 Runden. Wobei jede Runde aus fünf bzw. sechs Phasen besteht.

Phasenweise Runden spielen

In der ersten Phase wird die Zugreihenfolge bestimmt. Hierfür würfeln alle Spieler mit ihren drei Würfeln und addieren ihre gewürfelten Augen. Der Spieler, der das niedrigste Ergebnis erzielt hat, ist in dieser Runde Startspieler und die Reihenfolge der restlichen Spieler ergibt sich dann aus den anderen Ergebnissen in dem aufsteigend sortiert wird. Der Starspieler bekommt zusätzlich zwei Punkte geistige Gesundheit, der zweite Spieler noch einen Punkt. Diese ist später im Spiel wichtig, wenn es darum geht die großen Alten zu beschwören, da dies oft geistige Gesundheit kostet.

Ist die Zugreihenfolge bestimmt, startet auch schon Phase zwei, die Beschwörungsphase. Hier kommen die um den Spielplan liegenden Tafeln der großen Alten ins Spiel. Beginnend beim Startspieler können die Spieler nun diese beschwören oder passen. Um einen großen Alten zu beschwören legt man die geforderte Augensumme auf einem großen Alten ab. Hat man zum Beispiel eine fünf, eine drei und eine eins gewürfelt, kann man mit dem 5er-Würfel und dem 1er-Würfel den großen Alten mit der Ziffer sechs beschwören und im nächsten Zug den großen Alten mit dem Wert 3. Zu beachten gilt, dass man seine Würfel nicht komplett aufbrauchen muss und man jederzeit passen kann. Dann ist man aber komplett raus aus der Beschwörungsphase und kann später nicht wieder in diese einsteigen. Auch kann jeder große Alte mit Ausnahme des großen Alten mit dem Wert X nur einmal pro Runde beschworen werden. Es kann also passieren, dass ein Mitspieler einem den eigenen Plan zerstört und man umdenken muss. Ebenfalls ist bei der Beschwörung zu beachten dass diese immer mit Kosten verbunden ist, in den meisten Fällen geistige Gesundheit. Die nötige Bezahlung ist sofort zu entrichten.

Sind alle Spieler mit der Beschwörung fertig, folgt mit der Belohnungsphase die dritte Phase einer Spielrunde. Hier bekommen die Spieler die aufgedruckten Belohnungen ihrer beschworenen großen Alten. Diese Belohnungen in Form von Zauberkarten oder einmaligen Sonderfähigkeiten bekommen die Spieler dann reihum zugeteilt. Die Zuteilung der Geschenke erfolgt dabei aufsteigend vom großen Alten mit dem Wert X bis zum großen Alten mit dem Wert 19.

In der anschließenden Phase vier breiten sich die Spieler in Kingsport aus. Im ersten Schritt muss sich jeder Spieler in das Gebäude „Haus“ ausbreiten. Ausgehend vom Startgebäude können Sie anschließend über vordefinierte Wege auf dem Spielplan einen ihrer Spielsteine in einem zusätzlichen Gebäude platzieren, was diverse Vorteile in den anderen Phasen des Spiels bringt. Zudem bringt jede Ausbreitung auch Kultpunkte, die Siegpunkte des Spiels. Zu beachten ist dabei, dass man sich immer nur in Gebäude ausbreiten darf, die an einen eigenen Stein angrenzen und man die Kosten für eine Ausbreitung bezahlen können muss.

Die anschließende fünfte Phase Angriff findet nur statt, wenn eine Runde mit einem blauen markiert ist. Welche Runden einen solchen Marker erhalten, ergibt sich beim Aufbau durch die dort gezogene Szenariokarte auf der diese Information vermerkt ist. Findet diese Phase statt, dann kommt es zu einem Angriff eines Ermittlers. Dazu wird dann zuerst die zugehörige Ereigniskarte dieser Phase umgedreht und gemacht was diese besagt und anschließend die Ermittlerkarte. Den Ermittler muss dann jeder Spieler einzeln in der Zugreihenfolge bekämpfen. Dazu vergleicht jeder Spieler seinen Stärkewert mit dem des Ermittlers und darf natürlich seine Zauberkarten einsetzen um seinen Wert zu erhöhen oder den des Ermittlers zu verringern. Ist der Spielerwert des Spielers höher als der des Ermittlers gewinnt der Spieler und erhält die aufgedruckte Belohnung, bei Gleichstand passiert nicht und sollte der Wert des Ermittlers über dem des Spielers liegen, verliert der Spieler und die schlimmen Dinge der Karte treffen den entsprechenden Spieler.

In der anschließenden Phase sechs wird dann nur noch der Zeitstein einen Schritt nach vorne bewegt, bevor es wieder mit Phase eins losgeht.

Der Kultist mit den meisten Kultpunkten gewinnt

Nach der 12. Runde endet eine Partie „Kingsport Festival“. Sollte das Szenario vorgesehen haben, dass eine Festivalkarte ins Spiel kommt wird diese nun aufgedeckt und abgearbeitet. Anschließend wird geschaut welcher Spieler die meisten Kultpunkte erzielt hat. Dieser Spieler hat gewonnen.

Komplex und nicht für jedermann

Rein auf die Spielmechanik runtergebrochen ist „Kingsport Festival“ eine Art „Worker Placement“-Spiel, wobei die „Arbeiter“ hier die großen Alten sind. Und wie es für diese Art von Spiel üblich, ist auch „Kingsport Festival“ kein Spiel was man in der ersten Partie sofort im vollen Umfang begreift und das einige Partien braucht, bis einem alle taktischen Finessen und die Vor- und Nachteile der einzelnen großen Alten und Orte klar sind.

Und hier sehe ich leider auch das Problem von „Kingsport Festival“. Hat man sich von dem Schock des langen Regelwerks erholt und begriffen, dass die Regeln im Prinzip gar nicht so kompliziert sind, sitzt man anschließend vor dem Spielmaterial und hat das Gefühl auf Grund der Größe und der Masse an Material gar nicht richtig erfassen zu können welche Möglichkeiten hat. Andere „Worker Placement“-Spiele wie zum Beispiel „Die Säulen der Erde“ machen den Einstieg hier einfacher und durch die geringere Auswahl an Platzierungsmöglichkeiten begreift man bei dem genannten Beispiel dann eben auch die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten. Hier wäre bei „Kingsport Festival“ sicher weniger mehr gewesen, wobei gerade die Anzahl der großen Alten natürlich auch den literarischen Vorlagen von H.P. Lovecraft geschuldet sind.

Schön finde ich wiederum, wie das Spiel mit dem Thema Glücksfaktor umgeht. Von der zufälligen Szenariokarte, über die dazugehörige Festivalkarte bis hin zu den Ereigniskarten und den Ermittlerkarten hat das Spiel eine Menge an Glücksfaktoren. Hinzu kommt dann noch der Faktor Würfelglück, der für die Spielreihenfolge und die Beschwörungsmöglichkeiten verantwortlich ist. Doch trotz dieser großen Anzahl an Punkten hat man nie das Gefühl, dass der Glücksfaktor entscheidend Einfluss auf den Spielverlauf nimmt. Es ist vielmehr so, dass vor allem der Würfelfaktor nur dazu führt, dass man eben nicht mehrere Runden im Voraus planen kann, sondern wirklich von Zug zu Zug denken muss, wodurch es für mein Empfinden zu weniger Leerlauf zwischen den eigenen Aktionen kommt, da die Planungen eines Zuges über einen viel kürzeren Zeitraum vollzogen werden müssen.

Ich denke allerdings, dass „Kingsport Festival“ kein Spiel für jede Zielgruppe ist. Das düstere Szenario mag so manchen Gelegenheitsspieler abschrecken und auch das düstere Spielmaterial lädt jetzt nicht unbedingt dazu ein ohne Vorwissen den H.P. Lovecraft Universums einen Blick auf das Spiel zu werfen. Fans der Lovecraft-Welt und Freunde von „Worker Placement“-Spielen bekommen mit diesem Titel in jedem Fall einen soliden Vertreter des Genres und Lovecraft-Fans zudem eine Menge Fanservice geboten. Wer mit dieser Art von Spiel etwas anfangen kann, darf also einen Blick riskieren und über einen Kauf nachdenken.

Fakten:

Titel: Kingsport Festival
Autor: Andrea Chiarvesio, Gianluca Santopietro
Grafik: Alan D’Amico, Maichol Quinto
Verlag: Kosmos
Erscheinungsjahr: 2014
Kategorie: Brettspiel
Spieler: 3 – 4 Spieler
Spieldauer: ca. 90 Minuten
empfohlenes Alter: ab 12 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew
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Die Rechte für das Beitragsbild liegen bei KOSMOS.

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