Es gibt Spiele die sind zu Unrecht eher unbekannt. Für mich ist das 2010 erschienene Pressure Matrix von AEG so ein Spiel. Gerade wenn das Spiel mit vier oder fünf Spielern spielt und alle Spieler bereits sind über eine gewisse gemeine Spielweise der Mitspieler hinwegzusehen, bekommt man hier ein sehr unterhaltsamen Spiel, was für ordentlich Schadenfreude am Tisch sorgen kann.

Im Grunde ist Pressure Matrix dabei ein Wettkampf um die meisten Siegpunkte in Form von Credits, also Preisgeld. Teilnehmen können an diesem Wettkampf zwei bis fünf Spieler und abhängig von der Spielerzahl wird ein unterschiedliches großes Raster gelegt. Besteht das Spielfeld bei zwei Spielern noch aus einem 3×3 Raster ist es bei voller Spielerzahl ein 5×5 Raster. Das Raster selbst besteht dabei aus zufällig ausgesuchten Matrix-Teilen. Dies sind doppelseitig bedruckte quadratische Teile, die jeweils in vier Sektionen aufgeteilt sind.

Um den Spielaufbau abzuschließen nimmt sich jeder Spieler noch eine Spielfigur in seiner Wunschfarbe und die sechs Kontrollmarker derselben Farbe. Einer dieser sechs Kontrollmarker wird anschließend noch auf dem Punktetableau markiert. Da Credits in diesem Spiel Siegpunkten entsprechen und man mit zehn Credits startet, kommt der Marker entsprechend auf das Feld mit dem Wert zehn.

Für das Spiel werden zudem sogenannte Blackout Marker benötigt. Diese legt man neben dem Spielplan bereit und ein solcher Marker kommt auf die zum Start geltende Druckstufe (Pressure Level), welche die grüne Stufe ist. Im Laufe des Spiel kannst sich diese Druckstufe auf gelb oder rot ändern, doch dazu später mehr.

Der Aufbau ist nun abgeschlossen und nun muss der Startspieler bestimmt werden. Hierfür bekommt jeder Spieler fünf Blackout Marker ausgehändigt. Verdeckt nimmt er nun eine beliebige Anzahl an Marker in die Hand und nachdem alle Spieler ihre Wahl getroffen haben, decken alle Spieler auf, für viele Marker sie sich entschieden haben. Der Spieler mit dem höchsten Gebot ist anschließend Startspieler, verliert allerdings auch genauso viele Credit wie er Marker gesetzt hat. Sollten mehrere Spieler das gleiche Gebot abgegeben haben, entscheidet ein Würfelwurf über den Sieger, wobei nur der Spieler mit dem höchsten Würfelwurf seinen Einsatz bezahlen muss.

Diese Ermittlung des Startspielers ist dabei nicht nur eine reine Spielerei, sondern durchaus relevant für den Ausgang des Spiels. Zwar verliert der Startspieler erst einmal Siegpunkte, da er seinen Start schließlich bezahlen muss, hat aber auch den Vorteil sich noch frei auf dem Spielfeld bewegen zu können, was nicht zu unterschätzen ist, da es im Laufe des Spiels immer schwerer wird sich zu bewegen und dabei auch noch auf einem Feld zu landen was einem einen Vorteil bringt.

Beginnend mit dem Starspieler platziert nun jeder Spieler seine Figur in der Mitte eines der vier Eckplättchen. In einem Spiel zu fünft fehlt natürlich ein Eckplättchen. Daher platzier in einem Spiel zu fünft der fünfte Spieler seine Figur in der Mitte des Plättchens in der Mitte des Rasters.

Im nun startenden eigentlichen Spiel besteht jeder Zug eines Spieler aus zwei Phasen, der Bewegungsphase und der Druckphase. In dieser Phase werden zunächst alle drei Würfel geworfen. Abhängig von der Druckstufe wird danach die Entscheidung getroffen, welches Würfelergebnis entscheidet wie viele Schritte man sich in diesem Zug bewegen muss. Während der grünen Stufe wird so immer der niedrigste Wert gewählt, in der gelben Stufe der mittlere Wert und in der roten Stufe der höchste Wert. Sollten die Würfel zwei gleiche Werte zeigen wird dennoch der zur Stufe passende Wert gewählt. Wurden zum Beispiel zwei Sechsen und eine Eins gewürfelt, würde in der gelben Stufe die Eins gelten und in der roten Stufe die Sechs.

Entsprechend der gültigen Zahl muss nun die Figur bewegt werden. Dabei ist wichtig, dass jedes Plättchen als ein Schritt zählt. Die einzelnen Segmente der Plättchen können dabei ignoriert werden. Erlaubt sind dabei horizontale und vertikale Bewegungen, wobei jedes Plättchen pro Zug nur einmal betreten werden darf und der Zug auch nicht auf dem gleichen Film enden darf von dem er gestartet wurde. Zudem können Plättchen auf denen die Figur eines Mitspielers steht oder auf dem alle Sektionen mit einem Blackout Marker belegt sind nicht betreten werden.

Sollte keine regelkonforme Bewegung möglich sein, bleibt man auf seinem aktuellen Feld stehen, verliert allerdings einen Kontrollmarker. Zudem wird die Druckstufe erhöht, wobei sie nicht über rot hinaus steigen kann. Auch wird in diesem Fall die zweite Phase des Spielzugs übersprungen. Ansonsten kommt es, abgesehen von einigen kleinen Ausnahmen die ich für diese Übersicht über das Spiel nicht im Detail erkläre, zur zweiten Phase, der Druckphase.

In dieser Phase werden nun die einzelnen Segmente der Plättchen wichtig und zwar von dem Plättchen auf dem der Spieler seine Bewegung beendet hat. Genau von diesem Plättchen sucht sich der Spieler eine Sektion aus, die nicht mit einem Blackout Marker belegt ist und führt die Aufgedruckte Aktion aus. Dadurch kann es zu einem Gewinn oder einem Verlust von Credits kommen.  Es kann passieren, dass man einem Mitspieler Credits geben muss oder selbst von einem Mitspieler klauen darf. Es kann aber auch passieren, dass Teile umgedreht werden müssen, die Belegung mit Blackout Markern auf einem Teil geändert wird oder man sich als Spieler plötzlich an einem anderen Teil des Rasters wieder findet. Manche Felder verlangen auch, dass man einen seiner Kontrollmarker einsetzt, was nicht immer gut ist. Es ist darum nicht gut, weil der Einsatz oder Verlust des letzten eigenen Markers bedeutet, dass man “eingefroren” ist, was im weiteren Spielverlauf dazu führt, dass die Partie endet. Sollte der eingefrorene Spieler nämlich es nicht schaffen vor seinem nächsten Würfelwurf einen Kontrollmarker zurück zu gewinnen endet das Spiel und der Spieler mit den meisten Credits darf sich Sieger nennen.

Klar, Pressure Matrix ist kein Spiel in dem Taktikfüchse auf ihre Kosten kommen. Die Taktik besteht darin abzuwägen welches mögliche Zielwert den wenigsten Schaden für einen anrichtet oder im Idealfall sogar einen positiven Effekt auf die Situation hat, ansonsten lebt das Spiel ganz klar von seinem zufälligen Aufbau und der Schadenfreude die am Tisch vorherrscht wenn die Mitspieler ein ums andere Mal in eine missliche Lage geraten. Doch genau darin ist das Spiel großartig. Es ist im Grunde ein Partyspiel, welches im seriösen Gewand daher kommt.

Leider verhageln die etwas kompliziert geschriebenen Regeln einem erst einmal den Einstieg. Warum zum Beispiel die unterschiedliche Größe des Spielfelds nicht übersichtlich in einer Tabelle festgehalten wurde, sondern in ausgeschriebener Form in den Fließtext eingebunden wurde, weiß wohl nur der Autor selbst. Gleiches gilt übrigens für die Spielende Bedingung, die einfach mal so nebenbei erwähnt wird. Dabei sind die Grundregeln echt schnell erklärt und auch verstanden und die Feinheiten kommen erst mit den Sektionen der Plättchen ins Spiel Und auch wenn diese Sektionen erst einmal verstanden werden müssen, wird es nie richtig kompliziert. Die Anweisungen sind klar formuliert und zumindest im Punkt Ikonografie spendiert die Anleitung selbiger eine Übersicht, die es dann eben noch einmal leichter macht die Sektionen zu verstehen.

Pressure Matrix ist ein Spiel was bei mir wirklich gerne auf den Tisch kommt. Vorausgesetzt es wird mit einer Gruppe gespielt, die mit dem fiesen Mechanismus umgehen kann und nicht nachtragend ist. Nettigkeiten werden hier nur selten untereinander ausgetauscht und so muss man dann auch mal mit freundschaftlichen Pöbeleien am Spieltisch leben und diese verzeihen können um das Spiel zu mögen. 

Fakten

Name: Pressure Matrix
Autor: Jonathan Leistiko
Grafik: Greg Lambrakis, Hal Mangold
Verlag: AEG
Jahr: 2010
Art: Brettspiel
Spieler: 2 – 5 Spieler
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren

Unsere Wertung

Gnislew: 3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)

Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

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