Ein Brettspielgenre, was sich in den letzten Jahren mehr und etabliert hat sind Deduktionsspiele mit kriminalistischen Thema. Die “Detective Stories”-Reihe von iDventure ist dabei ein Beispiel wie man dieses Genre spannend und unterhaltsam zugleich verpacken kann. Das Krimi-Brettspiel Detective setzt dabei noch einen drauf. Zwar muss man hier auf Gimmicks bei den Indizien verzichten, doch die Dichte mit der der das Spiel die Ermittlerarbeit einfängt ist kaum in Worte zu fassen.

Fünf Fälle

Fangen wir erstmal damit an, worum es bei Detective überhaupt geht. Naja, wie bereits erwähnt geht es im dem Spiel darum Kriminalfälle mit unterschiedlicher Ausrichtung zu lösen, die allerdings durchaus miteinander im Zusammenhang stehen. Informationen die man im ersten Fall sammelt können somit durchaus in einem späteren Fall von Nutzen sein. Die Ermittlerarbeit läuft dabei sehr geradlinig und dennoch fordernd ab. Das Ermittlerteam, also die Spielenden, entscheiden sich welche Orte besucht und welche Personen befragt werden sollen. Die Karten die man hierfür liest geben dabei vor wieviel Zeit verstreicht und Zeit ist ein wichtiger Faktor, können die Ermittler doch nur eine gewisse Stundenzahl pro Tag arbeiten. So entsteht schon darüber eine Diskussion, welchen Spuren man nun nachgehen möchte.

Ja, dem Ermittlerteam steht eine gewisse Anzahl an Überstunden zu, doch Überstunden bedeuten Stress und zuviel Stress bedeutet das vorzeitige Ende der Ermittlungen.

Die mitgelieferten Karten sind zudem nicht die einzige Quelle für Informationen. Indizien, Beweise, Spuren, Verhörprotokolle und einiges mehr kann und muss über die digitale Antares Plattform abgerufen werden, einer eigens für Detective programmierten Kriminaldatenbank. Hier kann man im übrigen ohne Zeitdruck in den bereits erfassten Daten stöbern um so zu jeder Zeit Zusammenhänge zwischen Personen und Beweisen herzustellen.

Kein Spiel für Zwischendurch

Wo andere Deduktionsspiele im Kriminalumfeld vielleicht 60 Minuten Zeit für die Lösung beanspruchen, muss man für einen Fall von Detective schon etwas mehr, am Besten einen ganzen Spieleabend einplanen. Die Schachtel gibt zwar eine Spieldauer von zwei bis drei Stunden pro Fall an, diese können bei intensivem Diskussionsbedarf allerdings locker überschritten werden und in unserer Ermittlergruppe wurde diese Spielzeit auch immer deutlich überschritten. Bei uns war es eher eine Spielzeit von vier bis fünf Stunden pro Fall.

Doch diese lange Spielzeit wirkt sich überhaupt nicht negativ auf das Spielgefühl aus. Klar rauchen einem am Ende der Ermittlungen die Köpfe, aber während des Spiels fühlte sich das lösen der Fälle nie wie arbeit an. Mit Hilfe ausführlicher Notizen und fruchtbaren Diskussionen fühlte es sich tatsächlich wie Detektivarbeit an ohne die Sorge im Hinterkopf, dass man Schaden in der realen Welt anrichtet, wenn man falsch ermittelt hat. 

Der Abschlussbericht

Jetzt habe ich bereits ein paar Mal davon geschrieben, dass ja irgendwann die Ermittlungen abgeschlossen sind. Doch wie fällt diese Entscheidung und was entscheidet über Erfolg und Misserfolg. Zum einen kann ein Ermittlerteam jederzeit entscheiden, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind, dann kann das Ende der Ermittlungen nach einer vorgegeben Zeit im Spiel (nicht Spielzeit) eintreten oder, wie bereits angedeutet, wenn das Team einem zu hohen Stresslevel ausgesetzt ist und nicht weiter ermitteln kann.

Egal welche Bedingung das Ende der Ermittlungen einläutet eines erfolgt an dieser Stelle in jedem Fall. Das Team muss einen Abschlussbericht abliefern. Hier kommt erneut die Antares Datenbank ins Spiel, die nun bei den Spielern diverse Dinge abfragt und basierend auf den Antworten dann eine Auswertung darüber gibt, ob ein Fall erfolgreich gelöst wurde oder nicht. Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass das Team nach der Auswertung selbst entscheiden kann wie es weiter vorgeht. Ist man laut Auswertung gescheitert, kann so trotzdem zum nächsten Fall übergegangen werden oder der aktuelle Fall kann zurückgesetzt werden und erneut gespielt werden.

Der Schlüssel zum Erfolg: Notizen

Wer bei Detective ein klassisches Brettspiel erwartet, sollte in jedem Fall die Finger von dem Spiel lassen. Mit dem Karten, dem Playerboard um Aufenthaltsort und Zeit zu tracken und der fiktiven Umgebung gibt es bei Detective natürlich Elemente klassischer Brettspiele, doch das Spiel ist wirklich mehr ein Ermittlungserlebnis statt Brettspiel. Wenn man am Tisch sitzt und sich seine Mindmap zurecht legt fühlt man sich wie ein echter Ermittler und wenn man dann auf dieser Mindmap wirklich jede Verbindung der Figuren untereinander analysiert, nach Lücken in Alibis sucht, versucht Motive zu finden und alle Informationen zu einem großen Ganzen zusammenzufügen, dann vergisst man, dass man am heimischen Spieltisch sitzt, sondern fühlt sich wie in einem Großraumbüro in Langley. Nur eine Sache sollte man dabei nicht machen, so exzessiv dem Kaffeegenuss frönen, wie es die Figuren auf den Karten im Spiel machen. Dann bekommt man Herzrasen und Schlafstörungen

Detective muss man gespielt haben

Detective ist für mich ein Spiel oder besser gesagt ein Erlebnis, was man am eigenen Leib erfahren muss. Autor Ignacy Trzewicek hat hier etwas geschaffen, was auch lange nach Abschluss der fünf Fälle noch nachwirkt, denn Detective generiert mehr als nur Spielzeit, Detective generiert Spielerinnerungen.

Detective lädt einfach dazu ein nach Abschluss aller Fälle sich das Spielmaterial noch einmal vorzunehmen. Einfach um zu schauen wo man wichtige Hinweise verpasst hat oder ob es richtig war einer Spur nicht zu folgen, weil man sich sicher war, dass diese ins Leere führt. Das Spiel lädt dazu ein mit anderen Spielgruppen über ihren Lösungsweg zu reden, verschiedene Interpretationen von Aussagen kennenzulernen und sich eben auch nach Spielende weiter mit der immersiven Spielwelt auseinanderzusetzen.

Und genau deswegen gibt es von mir eine klare Empfehlung für Detective. Einfach, weil das Spiel nicht nur wegen der Fälle ein unglaubliches Spielerlebnis bietet, sondern eben auch nach Spielende noch im Kopf bleibt. Es gibt die genug Spiele die wandern nach Ende einer Partie in die Schachtel und man redet kein Wort mehr über die Partie, bei Detective denkt man eben auch zwischen den Partien über die Story nach und tatsächlich auch weit über das Ende der Geschichte hinaus. So funktionieren moderne Spieleabende!

Fakten:

  • Name: Detective
  • Autor: Ignacy Trzewicek
  • Story: Przemyslaw Rymer, Jakub Lapot
  • Grafik: Ewa Kostorz, Rafal Szyma, Aga Jakimiec
  • Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
  • Jahr: 2018
  • Art: Deduktionsspiel, Ermittlungsspiel
  • Spieler: 1 – 5 Spieler
  • Spieldauer: ca. 120 – 180 Minuten
  • Alter: ab 16 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew: 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

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