Als gebürtiger Düsseldorfer und Lokalpatriot müsste ich der geneigten Leserschaft nun eigentlich energisch zurufen: „KEINER!“ Warum ich jedoch mit der hier vorliegenden „Railroad Ink Challenge“ Eisenbahngesellschafft (fast) überall hinfahren würde erläutere ich euch gerne in den nächsten Zeilen.

Meine Rezension bezieht sich in erster Linie auf die Edition Sonnengelb und die Edition Blattgrün von Railroad Ink Challenge. Ich werde jedoch auch Bezug nehmen zu den „älteren“ Railroad Ink Editionen Tiefblau und Knallrot. Zudem seht ihr Bilder der wirklich schönen Collector’s Box aus dem Kickstarter, es wird jedoch nur der reguläre Retail Inhalt der Editionen gewertet.

Zunächst jedoch hier erst einmal, wie gewohnt, die „harten“ Daten und Fakten:

Name: Railroad Ink Challenge (Edition Sonnengelb/Blattgrün)
Verlag: Horrible Guild
Deutscher Vertrieb: Heidelbär Games
Autoren: Hjalmar Hach & Lorenzo Silva
Illustration: Marta Tranquilli
Dauer: 30+ Minuten
Alter: 8+
Anzahl: 1 – 4
Genre: Roll & Write

Um was geht es?

Railroad Ink im Allgemeinen ist ein Roll & Write Spiel mit einem Regelsystem im optionalen Baukasten-Modus. Somit kann man die Komplexität sehr gut regeln und neue Mitspielende sehr schnell heranführen. Die einfachsten Basisregeln unterscheiden sich somit in keiner der vier Versionen. Allerdings sollte man beachten, dass in Railroad Ink Challenge neue Basiswürfel und auch etwas andere Boards enthalten sind. Die Editionen Tiefblau/Knallrot sind somit nicht kompatibel mit den Editionen Sonnengelb/Blattgrün.

Ziel des Spiels ist es während der zu spielenden Runden möglichst viele seiner „Anschlüsse“ in einem Schienen-Straßen-Netzwerk zu verbinden, dabei eine möglichst lange Straßen- und eine möglichst lange Schienenverbindung einzubauen, die 9 Mittelfelder des Spielplans möglichst mit auszufüllen und bei Railroad Ink Challenge zudem die auf dem Spielplan eingezeichneten (neu hinzugekommenen) Gebäude möglichst geschickt mit einzubeziehen. Je nach Belieben kann dieses dann noch mit Bonuswürfeln und Aufgabenkarten „gewürzt“ werden und somit die Komplexität gesteigert werden.

Im einfachsten Grundspiel werden dabei die vier weißen Basiswürfel der gespielten Edition einfach sieben Mal gewürfelt und müssen entsprechend eingezeichnet werden. Dabei darf man das gewürfelte Bild jedes Würfels nach Belieben drehen und spiegeln. Die meisten Punkte gibt es dabei für möglichst viele, vernetzte „Anschlüsse“. Minuspunkte gibt es für „offene“ Streckenbestandteile. In Railroad Ink Challenge gilt es zudem, im Gegensatz zu den ersten beiden Editionen, Fabriken, Universitäten und Stadtzentren, gemäß den Anschlussregeln, mit einzubinden und somit Bonuspunkte oder Bonusverbindungen zu generieren. Zudem dürfen alle Mitspielenden je dreimal im Spiel, jedoch nicht mehr als einmal pro Runde, eine Sonderverbindung einzeichnen. Dabei muss die entsprechende Sonderverbindung jedoch auf dem eigenen Spielplan abgekreuzt werden und steht in diesem Spiel nicht mehr zur Verfügung, ist also nur einmal nutzbar. Die Sonderverbindungen zeichnen sich dabei dadurch aus, dass diese ein Verbindungskreuz darstellen und daher das mit ihnen belegte Feld in alle vier Richtungen an das Netzwerk anschließen. Allgemein darf beim Einzeichnen immer nur an ein bestehendes Streckennetz oder an einen „Anschluss“ angezeichnet werden.

Die Wertung am Ende ist recht simpel. Es gibt einen Punkt pro belegtem Mittelfeld (ein Quadrat aus 3 × 3 Feldern in der Spielplanmitte), 1 Punkt je belegtem Feld mit der längsten Bahnschiene und der längsten Straße und je ein Minuspunkt pro offener Verbindung des Netzwerks. Dazu kommen noch die Bonuspunkte für die vernetzten „Anschlüsse“ (hierzu gibt es eine Tabelle) und die Bonuspunkte für angeschlossene Siedlungen.

Wer möchte kann dies nun noch durch Hinzunehmen von Spezialwürfeln (hier gilt es z.B. die am größten zusammenhängende Waldlandschaft, Kakteenwüste oder Canyon zu bilden) oder Aufgabenkarten (z.B. wer verbindet zuerst zwei Mittelanschlüsse miteinander oder zeichnet als erstes eine Rundstrecke in sein Netzwerk ein) aufpeppen und somit sowohl Komplexität als auch zu erreichende Punktzahl steigern. Die Bonuswürfel bringen dabei nicht selten Bedingungen mit ins Spiel die es einzuhalten gilt, da sonst Strecken auch wieder „kaputt“ gehen können.

Für wen ist dieses Spiel geeignet?

Die Basisregeln sind in meinen Augen durchaus Familienspiel oder Familienspiel Plus Kategorie. Die Altersangabe mit 8+ halte ich jedoch auch nur für die Basisregeln für wirklich geeignet. Auch hier muss man meines Erachtens schon eine gehörige Portion planerisches Geschick und Übersicht mitbringen um anständige Punktzahlen zu erreichen. Die Hinzunahme der Aufgabenkarten hebt das Ganze dann ganz klar zumindest an den Rand des Kennerspiel Niveaus, die Hinzunahme der Bonuswürfel dann schlussendlich auf ein ordentliches und anspruchsvolles Kennerniveau. Spätestens hier würde ich das Spiel nicht mehr unter 12 Jahren empfehlen, da der Komplexitätsgrad schon ordentlich anzieht.

Wer also auf knifflige Planungen und Kopfzerbrechen für die möglichst optimale Einzeichnung der vorhandenen Möglichkeiten steht und dabei ein Spiel sucht was einen gewissen Anspruch mit sich bringt, dabei aber in unter 45 Minuten gespielt werden kann, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Mein persönliches Fazit

Railroad Ink war schon in den ersten Editionen ein tolles Roll & Write welches man zu vielen Gelegenheiten auspacken konnte. Es war auch immer schon auf Grund des Formats ein tolles Spiel um es auf Reisen oder zu einem Spieletreff mitzunehmen. Während ich Railroad Ink schon wirklich ausgeklügelt fand, hat mich Railroad Ink Challenge geradezu verzaubert. Die Hinzunahme der Spezialgebäude und der Aufgabenkarten war genau der richtige Schachzug um das Spiel noch einmal richtig rund zu machen und mich wirklich zu überraschen. Tolle Weiterentwicklung und Chapeau!

Unsere Wertung

Dan: 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Von Dan

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