Nachdem ich mich hier bei Blogspiele ja in letzter Zeit fast nur mit den sogenannten „kleinen“ Spielen befasst habe und es selten mal geschafft habe ein komplexeres Spiel hier zu besprechen, habe ich mich diesmal tatsächlich mal wieder mit einem Kennerspiel auseinandergesetzt. Die Rede ist natürlich, von dem gerade auf Deutsch bei Skellig Games erschienenen, In der Halle des Bergkönigs. Ich habe allerdings die englische Version vorliegen, die sich aber nicht von der deutschen unterscheidet.

Als ich zum ersten Mal das Coverbild gesehen habe, vermutete ich sofort irgendeine Art von Dungeoncrawl in einem Fantasysetting. Das Fantasysettimg stimmte zwar, aber es handelt sich um einen Engine Builder und um ein Spiel mit hartem Ressourcenmanagement.

Aber zunächst mal zum Hintergrund:

Die Spieler sind Trolle, welche ihr altes Zuhause wieder aufbauen wollen. Die verhassten Zwerge haben dieses vor langer Zeit eingenommen und nun ist alles im Berg verschüttet und die Zwerge über alle Berge. Zeit also, die alte Heimat in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Es gilt also ein neues Tunnelnetzwerk zu erschaffen, große Hallen zu errichten und Statuen der verschiedenen Clans in den Hallen aufzustellen. Wer das am Ende am Besten gemacht hat, somit also de meiste Ehre errungen hat, ist der Sieger des Spiels.

Zu Beginn des Spiels beginnt jeder Spieler mit vier Trollen in seiner Auslage, welche auch gleichzeitig seine Ressourcenproduzenten sind. Jeder Spieler baut sich im Laufe des Spiels eine Produktionspyramide auf. Denn immer wenn ein neuer Troll rekrutiert wird, muss dieser über zwei bereits ausliegenden Trollen platziert werden. Die Trolle produzieren dann die aufgedruckten Ressourcen.  So entsteht bis zum Spielende eine Pyramide aus bis zu 10 Trollen. Haben zwei Spieler 10 Trolle in ihren Auslagen, wird auch gleichzeitig das Spielende eingeläutet.

Jeder Spielzug besteht aus bis zu vier Schritten.

Als erstes kann man sich entscheiden ob man einen Zauberspruch nutzen möchte oder eine, an sein Tunnelnetzwerk angeschlossene, Werkstatt nutzen möchte.

Das ganze Spiel über stehen beiden Spielern drei verschiedene Zaubersprüche zur Verfügung. Diese liegen neben dem Spielplan aus. Um diese allerdings nutzen zu können, muss man eine Rune aus seinem Vorrat auf diesen Zauberspruch legen. Aber Zauber sind auch nicht für die Ewigkeit. Sollte man die dritte Rune auf einen Zauber legen, wird der Zauber danach abgelegt und durch einen neuen ersetzt.

Die Werkstätten kann man beim Ausbau seines Tunnelnetzwerks finden. Baut man einen Tunnel anliegend an ein Werkstattfeld, dann darf man sich eine er ausliegenden Werkstattplättchen nehmen und auf dem Spielplan platzieren. Diese Werkstätten haben verschiedene Funktionen. Meist dienen sie dem Ressourcentausch um leichter an seltene Ressourcen zu kommen.

Der Zweite Schritt in seinem Zug ist eine Pflichtaufgabe: man muss entweder einen Tunnel bauen oder einen neuen Troll rekrutieren.

Um einen Tunnel zu bauen muss man die entsprechenden Ressourcen haben. Für einen Tunnel mit drei Feldern Länge, werden auch drei Ressourcen benötigt. Je nachdem, welche Ressource man verwendet hat, gibt es für den Tunnelbau verschieden viele Siegpunkte. Baut man den Tunnel z.B. aus Stein, gibt es für einen Tunnel mit drei Feldern auch genau drei Siegpunkte. Hat man aber Eisen verwendet, gibt es schon vier Siegpunkte.

Sollte man beim Bau eines Tunnels über ein Trümmerfeld bauen wollen, benötigt man pro Trümmerfeld einen Hammer um diese Trümmer überbauen zu können.

Hat man durch einen Tunnel eine Statue freigelegt, wird diese dann direkt auf dem gleichen Feld im jetzt offenen Tunnel platziert und kann später bewegt werden.

Hat der gerade gebaute Tunnel eine Verankerung, kann man sich genau in diesem Moment entscheiden einen Sockel aus seinem Vorrat auf dieser Verankerung zu platzieren. Diese Sockel bekommt man beim Rekrutieren von Trollen. Dazu gleich mehr.

Wenn man später eine Statue auf einem Sockel platziert, verdoppelt das die Siegpunkte für die Statue. Außerdem besteht der Berg aus verschiedenen Gesteinsringen. Ist man der erste Spieler, welcher in einem Ring einen Sockel eines Clans (also einer bestimmten Farbe) errichtet, bekommt man ebenfalls Siegpunkte dafür.

Alle Ressourcen, welche man beim Bauen eines Tunnels freigelegt hat, kommen direkt nach dem Bau in den Vorrat des Spielers.

Sollte man keinen Tunnel bauen wollen, muss man einen Troll rekrutieren. Es gibt eine Auslage von Trollen, aus welcher man auswählen kann. Diese liegen auch in Pyramidenform. In der untersten Reihe liegen fünf Trolle der ersten Stufe, darüber vier Trolle der Stufe zwei und darüber drei Trolle der dritten Stufe.

Um einen Troll der ersten Stufe zu rekrutieren muss man nichts bezahlen und kann diesen einfach in seiner eigenen Trollauslage platzieren. Alle Trolle die kaskadenförmig unter dem neu platzierten Troll liegen produzieren jetzt die aufgedruckten Ressourcen (einschließlich des neuen Trolls). Allerdings nur, wenn die bisher verbrauchten Ressourcen auch verbraucht wurden. Ressourcen, welche noch auf Trollen liegen, werden nicht erneut produziert.

Die Rekrutierung von Trollen der zweiten und dritten Stufe erfordern Bestechungsgelder. Um einen Troll der zweiten Stufe rekrutieren zu können, muss man die beiden darunter liegenden Troll bestechen und jeweils eine Goldmünze auf ihnen platzieren. Bei einem Troll der dritten Stufe müssen alle Trolle, die kaskadenartig darunter liegen bestochen werden.

Die Trolle der zweiten Stufe bringen allerdings zusätzlich einen Sockel mit, welcher beim Auslegen zufällig gezogen wird. Beim Rekrutieren eines Trolls der dritten Stufe, bekommt man sogar einen Sockel der Farbe seiner Wahl.

Sollte ein Troll auf diese Weise vier Münzen gesammelt haben, zieht er sich glücklich zurück und wird durch einen neuen Troll ersetzt. Wenn man einen Troll rekrutiert, welcher Goldmünzen aus sich liegen hat, bekommt der Spieler diese Goldmünzen in sein Lager.

Die dritte Aktion ist die Möglichkeit eine große Halle zu errichten. Um eine Halle zu errichten muss man in seinem Tunnelnetzwerk die genaue Fläche der Halle ausgebaut haben. Dann darf man sich eine passende Halle nehmen und über seinen Tunneln platzieren. Die Hallen bringen am Spielende Siegpunkte. In jeder Halle gibt es auch einen Platz für eine Statue. Schafft man es in seine Halle eine Staue auf diesen Platz zu stellen, gibt es für die Halle mehr Siegpunkte.

Die letzte Aktion in seinem Zug ist die Möglichkeit Statuen mit Hilfe von Loren zu bewegen. Pro eingesetzter Lore kann man eine Statue entweder innerhalb eines Tunnelplättchens auf ein beliebiges Feld bewegen (z.B. auf einen Sockel) oder auf ein beliebiges Feld von einem benachbarten Tunnelplättchens. Aber man muss aufpassen. Viele Loren können nur bestimmte Statuen transportieren. Die meisten sind an einen Clan (eine bestimmte Farbe) gebunden und können nur Statuen des bestimmten Clans transportieren. Die Loren, welche nicht gebunden sind, können beliebig eingesetzt werden.

Die Züge gehen dann so lange weiter bis zwei Spieler eine Trollpyramide von 10 Trollen gebaut haben. Dann hat jeder noch zwei Züge und dann kommt es zur Schlußwertung. Wer dann am Ende die meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel.

Tja, das klingt nach viel Regeln, aber das täuscht dann am Ende doch. Wenn man einmal losgespielt hat und einen Zug gemacht hat, dann spielt sich das Spiel sehr flüssig und die Züge dauern auch nicht wirklich lange.

Der Berg von Material erschlägt einen aber zunächst. Da braucht man einen Moment um sich dadurch zu arbeiten. Hat man das Spiel dann aber aufgebaut, geht es auch schnell voran. Dadurch das es viel Material hat, wirkt es beim spielen manchmal etwas friemelig, da die Ressourcen teilweise auch etwas klein geraten sind. Allerdings sind alle aus Holz, was mir wiederum sehr gut gefällt. Grundsätzlich hat das ganze Spiel aber eine tolle Ausstattung, die auch wertig erscheint. Keine dünne Pappe oder Karten aus leichtem Papier.

Auch die Optik lässt keine Wünsche offen. Das Spiel macht optisch viel her und lädt somit auch zum spielen ein. Mir persönlich ist das immer wichtig.

Was mir wirklich gut gefallen hat, ist, wie oben schon erwähnt, dass die Züge schnell gehen und auch schnell Spielfluss aufkommt. Das soll natürlich nicht heißen, dass man hier nicht über seine Spielzüge nachdenken muss, aber da es nicht komplett konfrontativ ist, kann man diese teilweise ja auch schon während der Züge der anderen Spieler vorplanen. Eigentlich kommt man sich vielleicht nur beim Bauen der Tunnel in die Quere oder man schnappt den anderen Spielern eine der großen Hallen weg.

Ein weiterer positiver Punkt ist auch, dass das Spiel immer voran geht. Dadurch, dass man immer entweder bauen oder rekrutieren muss, bleibt das Spiel in „Bewegung“ und es geht immer auf das Spielende zu ohne allerdings dabei Druck zu machen. Das verhindert einfach, dass das Spiel durch Geduldszüge in die Lange gezogen werden kann. Das könnten sich andere Spiele gerne mal abschauen.

Mir hat das Spiel wirklich gut gefallen und wird sicherlich noch öfter bei mir auf den Tisch kommen.

Wem würde ich das Spiel denn jetzt empfehlen? Das Spiel hat zwar nicht allzu komplexe Regeln, doch ist es definitiv kein Familienspiel. Dafür steckt hier dann doch zu viel Taktik drin. Es ist ein Spiel auf gutem Kennerniveau, allerdings für mich noch kein Expertenspiel. Wenn man gerne plant und Ressourcen managed und dabei nicht zu konfrontativ zu Werke gehen will, ist in den Hallen des Bergkönigs gut aufgehoben. Spieler, die sich eher angehen wollen, sind hier nicht richtig.

Das Spiel kommt allerdings auch noch mit einem Teammodus daher, welchen ich nicht probiert habe. Das heißt man kann hier auch kooperativ zu Werke gehen. Fand ich für dieses Spiel aber bisher nicht so interessant.

Wer also mal dieses Spiel zocken möchte, kann sich gerne bei mir melden. Ich spiele jederzeit eine Partie mit.

Fakten

Titel: In der Halle des Bergkönigs
Spieler: 2-5 Spieler
Autor: Jay Cormier & Graeme Jahns
Alter: ab 12 Jahren
Dauer: ca. 90 Minuten
Verlag: Skellig Games

Unsere Wertung

Yogi: 4 out of 5 stars (4 / 5)

Von Yogi

männlich, Anfang 40, Brettspiel-Nerd

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