Wer den Namen Desmond hört, denkt als Videospieler unweigerlich an die erfolgreiche Assassin’s Creed Franchise. Doch auch andere Spiele verwenden Helden mit diesem Namen, so auch Charon’s Staircase in dem wir vom „Ministerium“ beauftragt werden aus  einer Villa Beweisdokumente zu vernichten, damit einem EU-Beitritt des auftraggebenden Landes nichts im Wege steht. Doch natürlich entpuppt sich der Auftrag als nicht so leicht, wie er klingt, denn das Anwesen birgt Geheimnisse und der einzige Ausgang scheint Charons Treppe, also der namensgebende Charon’s Staircase, zu sein.

Um die Aufgabe zu lösen und die Flucht aus dem Anwesen zu schaffen versetzt Entwickler Indigo Studios die Spieler*innen in die Egoperspektive, wodurch man die Welt von Charon’s Staircase direkt aus der Sicht von Desmond erlebt. Aus meiner Sicht lässt sich das Spiel dabei am Besten in das Genre Horror-Adventure einordnen, in dem Rätsel auf die Spieler*innen warten, die von ganz unterschiedlicher Qualität sind. Für manche Rätsel liegt die Lösung auf der Hand, bei anderen Rätseln läuft man fragend umher und sucht in der Villa nach Hinweisen. Da hilft es leider nur wenig, dass Charon’s Staircase auf ein echtes Hilfesystem verzichtet und die Anzahl an zu untersuchenden Gegenständen immens hoch ist und vieles nicht zur Lösung von Rätseln beiträgt. Was zum einen den Schwierigkeitsgrad erhöht, sorgt so auf der anderen Seite auch für Frust, wenn man eben nicht die richtigen Hinweise findet und so stecken bleibt. Dies führt dann dazu, dass man das Spiel eben nicht zu Ende spielt oder man macht es wie ich und durchforstet das Internet nach Hinweisen auf die Lösung eines Rätsels, was dank hilfsbereiter und mitteilungslustiger Spieler*innen in den meisten Fällen auch von Erfolg gekrönt ist, das eigene Ego aber natürlich auch etwas kränkt, da man ein Rätsel nicht eigenständig lösen konnte.

Atmosphärisch trägt diese Schnitzeljagd nach Hinweisen dabei zusätzlich zum Spielgefühl bei, stolpert man doch auch über Storyteile, die einem mehr über das Geheimnis des Hauses und die Dokumente erfahren lässt. Zudem kommt auch der Horrorfaktor nicht zu hoch. Ein Horror-Adventure ist natürlich nur bedingt für subtilen Horror geeignet, da man als Entwicklungsstudio nie genau sagen kann in welcher Reihenfolge die Spieler*innen Dinge erkunden, wodurch es in Charon’s Staircase auch kaum psychologischen Horror als vielmehr eine Menge an Jump Scares gibt. Was im Horrorfilm funktioniert, klappt auch im Horrorspiel und anders als im Film empfinde ich es auch weniger schlimm, dass hier zufallende Fensterladen, durch den Wald huschende Gestalten oder plötzlich klingelnde Telefone den Hauptsächlichen Grusel ausmachen, denn anders als im Film bin ich hier mittendrin und eben nicht nur passiver Beobachter.

Leider wird die durchaus gelungene Atmosphäre etwas von technischen Mängeln getrübt. Die Steuerung entpuppt sich an vielen Stellen etwas fummelig, etwa wenn es darum geht Zahlenschlösser zu knacken und die Grafik wirkt leider auch schon etwas angestaubt, Grobe Texturen, eine mäßige Ausleuchtung und fehlende Reflexionen im Spiegel sind die Dinge die mir hier sofort einfallen. Doch man darf natürlich nicht vergessen, dass hier kein großes Studio am Werk war, was bei mir zumindest ein wenig als Entschuldigung funktioniert, denn das Budget ist gerade bei Grafikfragen eine große Sache.

Und gerade mit Blick darauf, dass hier ein kleines Studio am Werk war, muss man Charon’s Staircase eine Sache hoch anrechnen. Als deutschsprechende*r Spieler*in bekomme ich eine deutsche Tonspur. Wo viele andere kleinere Produktion auf eine deutsche Tonspur und oftmals sogar deutsche Untertitel verzichten, bekommt man bei Charon’s Staircase eine komplette deutsche Synchronisation. Diese ist zwar unmotivierter eingesprochen als das englische Original, aber erhöht die Zugänglichkeit zum Spiel enorm, schließlich hat nicht jede*r das Glück gut englisch zu verstehen.

Charon’s Staircase ist ein solides Horror-Adventure, was mit gut 4-5 Stunden Nettospielzeit vielleicht etwas zu kurz geraten ist, in seiner kurzen Spielzeit trotz technischer Schwächen allerdings in den Bann zieht. Hier ist ein Spiel verfügbar, was gerade jetzt im dunklen Herbst und Winter für ein bis zwei schöne Gruselabende an der Konsole sorgen kann.

Fakten:

  • Name: Charon’s Staircase
  • Entwickler: Indigo Studios
  • Publisher: SODESCO
  • Spieler: 1 Spieler*innen (Offline)
  • Altersfreigabe: USK freigegeben ab 16 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew: 3 out of 5 stars (3 / 5)

Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

Ein Gedanke zu „Charon’s Staircase (SODESCO): Düsteres Rätselspiel“

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