Ehrlicherweise kann man derzeit ja kaum noch an diversen Marvel Produkten vorbeikommen. Es kommen immer wieder neue Filme und auch neue Serien raus, was für die Fans wirklich in Genuss ist. Das geht uns uns in der Brettspielwelt nicht wirklich anders. Es erscheinen viele Spiele mit Marvel Franchise. Einige Spiele haben auch nur einen Mantel aus Marvel Helden bekommen (siehe Villainious oder Splendor). Aber das muss ja auch nicht schlecht sein, denn vielleicht kann es den einen oder anderen Film, bzw. Comicfan ja auch in unser geliebtes Hobby holen.  

Ich bin ja ein bekennender Fan von Kartenspielen, daher hat natürlich in 2019 das Erscheinen von einem neuem Living Card Game, nämlich Marvel Champions, direkt meine Aufmerksamkeit erregt. Dann sollte es auch noch kooperativ sein. Das klang direkt nach einem Spiel für mich. Vor allem auch deswegen, da ich die anderen beiden Living Card Games von FFG, Der Herr der Ringe und Arkham Horror auch unglaublich gut finde.

Mich hat damals nur die Aussage von Asmodee verwundert, das Spiel nicht auf deutsch herausbringen zu wollen. Aber gut, mein Englisch ist gut, also habe ich natürlich zugeschlagen und habe mir das Grundspiel gekauft. Ehrlicherweise, mit knapp 70 Euro ein nicht gerade günstiges Vergnügen.

Aber jetzt will ich euch zunächst mal verraten worum es in diesem Spiel eigentlich geht. Zunächst muss man sich entscheiden, gegen welchen Superschurken man in dem Spiel antreten will. Die Grundbox bringt direkt drei Superschurken mit, welche auch einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad haben. Allerdings kann man die Schurkendecks auch noch modifizieren um den Schwierigkeitsgrad anzupassen. Das passiert mit einer Art Modulsystem. Jeder Schurke hat ein Basisset an Karten, was immer mitspielt. Andere Sets an Karten können dann beliebig entfernt oder hinzugefügt werden. Wenn man das tut, muss aber immer das gesamte Set an Karten genommen werden.

Jetzt können sich die Spieler für einen Superhelden entscheiden. Im Grundspiel sind direkt 5 Helden vorhanden, unter anderem auch sehr beliebte Helden wie zum Beispiel Spiderman.

Das Heldendeck besteht immer aus der Heldenkarte und einem Set aus Karten, die dem spezifischen Held zugeordnet sind. Da hat man keinen Spielraum. Dann muss man sich für einen Aspekt entscheiden. Das legt fest, wie man seinen Helden spielen möchte: eher defensiv, aggressiv oder vielleicht als Unterstützer. Es gibt 5 verschiedene Aspekte aus welchen man wählen kann. Mischen darf man diese nicht. Welche Karten man allerdings innerhalb des gewählten Aspekts nimmt, darf man frei wählen.

Das Deck wird dann noch mit Basiskarten aufgefüllt, bis man mindestens insgesamt 40 Karten oder maximal 50 Karten in seinem Deck hat.

Je nach Schurken, den man bekämpfen will, kann man sein Deck also durchaus anpassen.

Wem das alles jetzt schon zu viel ist und keine Lust auf Tüftelei und Deckbau hat, dem kommt das Spiel entgegen. Für jeden Helden gibt es ein Starterdeck, welches durchaus gut spielbar ist und mit dem man auch gewinnen kann.

Dann geht es eigentlich auch schon los. Die Helden gewinnen, wenn sie die Lebenspunkte des Schurken auf Null gebracht haben. Der Schurke gewinnt, wenn entweder alle Helden außer Gefecht sind oder er seinen bösen Plan in die Tat umsetzen konnte. Die Zielwerte orientieren sich dabei an der Spielerzahl. Umso mehr Spieler, desto mehr Lebenspunkte hat der Schurke.

Jede Heldenkarte hat zwei Seiten: einmal die Person im zivilen Leben und auf der anderen Seite natürlich die Superheldenform. Einmal pro Zug, darf man die Form wechseln. Das hat durchaus Bewandnis, denn der Held hat auf jeder Seite andere Fähigkeiten. In ziviler Form kann Schaden geheilt werden aber nur in Heldenform kann man den Schurken angreifen oder versuchen seine Pläne zu vereiteln. Auch unterscheidet sich die Handlung des Schurken je nach Form der Helden. Ist er zivil, macht der Schurke Fortschritte in seinen Plänen, die Helden greift er stattdessen an.

Die Helden fangen in jeden Zug an. Jetzt können Sie Karten aus der Hand ausspielen. Das können einmalige Effekte sein oder aber auch Ausrüstung oder Verbündete, welche weitere Boni geben können. Aber Karten ausspielen ist auch mit Kosten verbunden. Die Kosten für das Ausspielen von Karten muss man mit anderen Handkarten bezahlen. Auf jeder Karte sind Ressourcen abgebildet, welche diese beim Abwerfen produziert.

Die ausgespielten Karten können sofort im gleichen Zug noch genutzt werden, z.B. können Verbündete angreifen oder versuchen Fortschrittsmarker von den Plankarten des Schurken zu nehmen.

Das kann der Held natürlich auch tun. Dafür müssen allerdings die Karten erschöpft (gedreht) werden.

Am Ende des Spielerzuges werden alle Karten der Helden spielbereit gemacht und dann ist der Schurke am Zug. Jetzt kommt es auf die Heldenform an, wie der Schurke handelt. Ist der Held in zivil, werden Fortschrittsmarker auf die Plankarten gelegt, ist der der Held auch in Heldenform, wird er vom Schurken angegriffen.

Jeder Held kann sich gegen einen Angriff verteidigen und verhindert Schaden in Höhe seines Verteidigungswertes. Allerdings erschöpft das die Heldenkarte und dann kann der Held in der nächsten Spielerphase nicht handeln. Also mal wieder eine harte Entscheidung.

Danach bekommt noch jeder Spieler eine weitere Karte zugeteilt, welche auch unangenehme Effekte mitbringt. Das kann zum Beispiel der Verlust von Ausrüstung sein oder es kommen Handlanger des Schurken ins Spiel, welche ebenfalls angreifen.

Ohne jetzt komplett ins Detail gehen zu wollen ist es das dann auch schon ganz grob gewesen. Es geht halt solange weiter, bis eine Seite gewonnen hat.

Was halte ich denn jetzt von den Spiel?

Ich bin ein wirklicher Fan von diesem Spiel. Es ist nicht nur das Marvel Franchise was mich hier anspricht, sondern auch das Spiel an sich. Es gefällt mir gut, dass es eine doch große Varianz, auch schon in der Grundbox, gibt. Durch die ganzen Modifizierungsmöglichkeiten ist genug Abwechslung vorhanden.

Jetzt kommt natürlich ein große Gegenargument: Es handelt sich um ein Living Card Game, wo immer weitere Packs herauskommen und man insgesamt viel Geld für bezahlen muss.  Ja, das stimmt natürlich. Es kommt jeden Monat ein neues Heldenpack raus, mit einem komplett neuen Helden und einem Haufen neuer Karten zum Deckbau.

Marvel Champions unterscheidet sich aber grundlegend von den anderen kooperativen Living Card Games. Das Spiel besteht nicht auf Kampagnen. Man kann einfach ein Szenario aufbauen und losspielen. Man folgt keiner Story, welche sich dann, wie zum Beispiel bei Arkham Horror weiternentwickelt und ist nach der Partie schon wieder fertig. Nachteil daran ist sicherlich, dass dadurch die Karten auch eher auf die Mechanik abzielen als das sie versuchen eine Geschichte zu erzählen.

Zu den Charakterpacks sei gesagt, dass sich in jedem auch immer ein fertiges, spielbereites Deck befindet. Auch hier ist kein Deckbau nötig. Sollte man mal einen der Helden nicht so mögen, muss man sich das Pack auch einfach nicht besorgen.

Das Spiel ist natürlich inzwischen doch bei Asmodee auf Deutsch erschienen, man konnte sich den Rufen nach einer deutschen Version wohl dann doch nicht widersetzen. Asmodee hat sich aber offen gehalten ob alles ins Deutsche übersetzt werden wird, da sich das Spiel nicht auf die Filme, sondern auf die Comics bezieht. Mal sehen ob das wirklich was auf der Strecke bleiben wird, da sich das Spiel einer großen Beliebtheit erfreut.

Die Aussichten auf noch viele Erweiterungen ist auch gut. Natürlich gibt es eine Menge Helden im Marvel Universum. Aber auch viele Schurken, welche sich zum bekämpfen anbieten. Im Englischen sind ja auch schon die Red Skull und die Guardians of the Galaxy Kampagne veröffentlicht. Auch diese kann man allerdings alle einzeln spielen. Für Nachschub ist also gesorgt.

Wer also Bock auf Marvel hat und auch vor einem Living Card Game nicht zurückschreckt, sollte hier definitiv zugreifen.  Wer zusätzlich auch noch Lust auf Deckbau hat ist auch goldrichtig. Für mich reiht es sich nahtlos in die Riege der wirklich guten kooperativen Living Card Games ein.  Gerne mehr davon.

Fakten

Name: Marvel Champions
Spieler: 1-4 Spieler
Verlag: Fantasy Flight Games (Asmodee)
Alter: ab 14 Jahren
Dauer: ca. 60 Minuten
Autor: Michael Boggs, Nate French, Caleb Grace

Unsere Wertung:

Yogi 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

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