Eine Geiselnahme ist ja ein eher unerfreuliches und ernstes Thema. Auf den ersten Blick also nicht unbedingt ein Thema, um das man ein Spiel bauen möchte. Hostage Negotiator versucht es trotzdem und der Untertitel “THE FATE OF THE INNOCENT IS IN YOUR HANDS…” macht klar, dass Hostage Negotiator das Thema nicht einfach nur auf ein lockeres Spiel drauf packt, sondern es durchaus um das Leben von Geiseln, wenn auch nur in Form von Holzmeepeln, geht.

Retten oder verlieren

Wenn Hostage Negotiator auf den Tisch kommen soll, muss man eines wissen: Das Spiel ist ein reines Solospiel und dabei eine Mischung aus Karten- und Würfelspiel. Der Spieler übernimmt dabei die Rolle eines Vermittlers, der eine Geiselnahme möglichst unblutig beenden soll. Dafür müssen Geiseln gerettet und der Geiselnehmer verhaftet oder eliminiert werden.

Um den Erfolg in der Spielwelt abbilden zu können gelten drei Siegbedingungen:

  1. Es dürfen keine Geiseln mehr in der Hand des Geiselnehmers sein (tod oder lebendig)
  2. mindestens die Hälfte der Geiseln muss lebendig gerettet worden sein
  3. Der Geiselnehmer wurde verhaftet oder eliminiert

Und auch um den Misserfolg abbilden zu können wurden Bedingungen aufgestellt:

  1. mehr als die Hälfte der Geiseln wurden getötet
  2. der Geiselnehmer ist entkommen
  3. es kann in der Terrorphase keine Terrorkarte mehr gezogen werden

Bei den Bedingungen gibt es allerdings einen Haken. Während bei den Siegbedingungen alle drei Bedingungen für den Sieg erfüllt sein müssen, reicht die Erfüllung einer Bedingung um die Partie zu verlieren. Auf dem Papier ist ein Sieg also schwerer als eine Niederlage.

Doch ist dies wirklich so?

Ja! Tatsächlich wird man mehr Partien Hostage Negotiator verlieren als man gewinnt. Zumindest habe ich diese Erfahrung bei meinen unzähligen Partien gemacht. Doch hat dieser Umstand nie demotiviert, sondern zumindest bei mir dafür gesorgt, dass man über seine Strategie nachdenkt, die bei einem Geiselnehmer zum Erfolg führt. Dem Grundspiel liegen nämlich drei Geiselnehmer bei, die allesamt andere Start- und Verhaftungsbedinungen haben, wodurch das Spiel unterschiedliche Herangehensweisen verlangt.

Doch wie geht man überhaupt an die Sache heran? Bisher ist ja nur bekannt wie man gewinnt ode verliert, aber nicht wie man spielt.

Zunächst einmal liegt man das Spieltableau auf den Tisch. Unter dem Tableau sollte dabei Platz für eine Kartenauslage sein. Das Tableau dient dann während der Partie als Indikator für diverse Faktoren, aber auch dafür um zu wissen wie man welche Karten idealerweise ablegt.

Als nächstes sucht man sich einen der drei Geiselnehmer aus und platziert die gewählte Karte links vom Tableau. Die Anleitung empfiehlt für die erste Parte Arkayne zu wählen. Zusätzlich wird unter der Geiselnehmerkarte die sogenannte 2nd Command Karte platziert. Diese wird später im Spiel noch wichtig.

Nun werden die Major Demand Karten für den gewählten Geiselnehmer rausgesucht und gemischt. Diese werden rechts oben vom Tableau als verdeckter Stapel abgelegt. Diese Karten zeigen die Hauptforderungen des Geiselnehmers.

Mit den Escape Demand Karten wird gleich verfahren, nur dass diese rechts neben den Major Demand Karten platziert werden.

Auf der Geiselnehmerkarte ist angezeigt wie viele Geiseln der Geiselnehmer genommen hat. Die entsprechende Anzahl an gelben Geiselmeepeln wird nun im Hostage Pool Bereich des Tableaus abgelegt.

Der rote Bedrohungsmarker kommt dann auch den entsprechenden Ring auf dem Tableau. Auf welchem Wert dieser startet kann ebenfalls der Geiselnehmerkarte entnommen werden.

Nun muss noch der blaue Marker platziert werden. Dieser kommt auf das Telefonsymbol auf dem Tableau.

Nun kommen die sogenannten Kommunikationskarten ins Spiel. Diese Karten zeigen quasi die Aktionen wie zum Beispiel die Rettung von Geiseln oder der Beruhigung des Geiselnehmers. Hier werden die sechs Karten mit dem Wert Null herausgesucht und bilden die Starthand. Die anderen Karte werden nach ihrem Namen sortiert und den aufgedruckten Werten entsprechend vor dem Tableau abgelegt.

Nun müssen die Karten mit dem Aufdruck Terror Card zur Hand genommen werden. Diese werden gemischt und zehn von ihnen verdeckt auf den Tisch gelegt.

Gleiches passiert mit den Golden Pivotal Event Terror Karten. Von diesen wird eine unter die roten Terrorkarten gelegt.

Nun werden noch die Würfel und die restlichen Geiselmeeple bereit gelegt und alles andere Material wieder in die Schachtel gelegt. Los geht die Geiselrettung!

Phasenweise zum Sieg

Ein Zug läuft nun immer in drei Phasen ab. Diese sind:

  1. Conversation Phase
  2. Spend Phase
  3. Terror Phase

In der ersten Phase erfolgt die Kommunikation mit dem Geiselnehmer. Hierfür werden Karten von der Hand gespielt, abgehandelt und anschließend im Ablagebereich abgelegt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wird die Karte offen ausgespielt und die Aktion auf der Karte ausgeführt oder man spielt die Karte verdeckt um stattdessen einen Konversationspunkt zu erhalten, die in Phase Zwei wichtig sind. Eine offen ausgespielte Karte kann anschließend unterschiedliche Aktionen auslösen. So kann man Konversationspunkte gewinnen, das Stresslevel des Geiselnehmer sich verringern oder erhöhen, Geiseln gerettet oder getötet werden. Auch führen manche Aktionen zum sofortigen Ende eines Zuges.

Wichtig zu wissen ist, dass oft ein Würfelwurf darüber entscheidet wie eine Aktion ausgeht. Hier kommt also ein Glücksfaktor mit ins Spiel. Der Stresslevel des Geiselnehmer entscheidet dabei wie viele Würfel gewürfelt werden dürfen, was man dem Tableau entnehmen kann und nur wenn eine entsprechende Anzahl an Erfolgen, dargestellt durch Polizeimarken, erwürfelt wurde klappt eine Aktion. Wichtig zu wissen: Es gibt ein Würfelsymbol was zwei Karten zeigt. Hier kann man durch Abwurf von zwei Handkarten diesen Würfel zu einer Polizeimarke machen.

Sobald man keine Karten mehr spielen möchte, kann oder darf endet die Phase und es geht in die Spend Phase, also der Phase in der man Konversationspunkte ausgeben kann.

Diese Phase ist recht unkompliziert, denn hier dürfen die in diesem Zug verdienten Konversationspunkte für den Kauf neuer Karten aus der Auslage genutzt werden. Der aufgedruckte Wert unten rechts auf den Karten gibt dabei den Kaufpreis an. Natürlich können nie mehr als die zur Verfügung stehenden Punkte ausgegeben werden und ein Handkartenlimit von zehn Karten darf nicht überschritten werden.

Ist man mit dem Kauf fertig wird der blaue Marker wieder auf den Wert Null gelegt und die in dieser Runde gespielten Karten ihren Namen und Werten nach in die Auslage sortiert. Sie stehen in der nächsten Runden somit wieder zum Kauf zur Verfügung.

Was folgt ist die Terror Phase, die Aktionsphase des Geiselnehmers. In dieser Phase wird die oberste Karte des Terror Decks aufgedeckt und die abgedruckten Aktionen durchgeführt. Dies kann dazu führen, dass sich zum Beispiel das Stresslevel des Geiselnehmers erhöht.

Nun heißt es also den Geiselnehmer zu schnappen oder zu eliminieren. Sollten keine Geiseln mehr in den Händen des Geiselnehmers sein, führt die nächste Geiselbefreiung zur Festnahme. Alternativ kann über die entsprechenden Karten auch versucht werden den Geiselnehmer zu erschießen.

Variantenreich und herausfordernd

Wie bereits geschrieben, ist es gar nicht so einfach eine Partie Hostage Negotiator zu gewinnen. Tatsächlich braucht man schon ein wenig Würfelglück und auch etwas Glück mit den Terror Karten um die Geiseln zu befreien und den Geiselnehmer aus dem Weg zu räumen. Doch auch die richtige Taktik entscheidet. Wann welche Karte gewählt und gespielt wird und wann man Karten für einen Erfolg abwirft trägt entscheidend dazu bei ob man nun Erfolg hat oder nicht. Schön ist auch, dass auch bei gleichem Geiselnehmer keine Partie gleich abläuft. Wo der Glücksfaktor im Bereich der Geiselbefreiung manchmal nerven kann, ist er im Bereich Abwechslung gerne genommen. Denn so wirkt auch der dritte oder vierte Versuch einen Geiselnehmer zu stellen nicht wie “Trial and Error”, sondern wie ein frischer neuer Anlauf.

Nicht außer acht lassen darf man das Thema. Das Thema Geiselnahme, was recht nah an der Realität ist, ist sicher nicht jedermanns Sache. Schließlich wird hier mit Menschenleben gespielt, auch wenn es nur Holzmeeple sind. Hat man mit dem Thema allerdings keine Probleme, bekommt man Hostage Negotiator ein spannendes Solospiel. Optisch macht es auf dem Spieltisch einiges her und dank unterschiedlicher Geiselnehmer und einer guten Portion benötigten Glücks ist die Langzeitmotivation gegeben.

Bei mir kommt Hostage Negotiator jedenfalls regelmäßig auf den Tisch. Nach einigen Partien geht der Aufbau schnell von der Hand und die Partien sind zügig gespielt. Gerade wenn die Frau zu müde zum spielen ist und ich keine Lust habe mich vor die XBox zu setzen ist Hostage Negotiator für mich ein schöner Zeitvertreib.

Fakten

Name: Hostage Negotiator
Autor: A.J. Porfirio
Grafik: Kristi Harmon, Venessa Kelley, Chase Williams
Verlag: Van Ryder Games
Jahr: 2015
Genre: Kartenspiel, Würfelspiel
Spieler: 1 Spieler
Spieldauer: ca. 15 Minuten
Alter: ab 15 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew: 4 out of 5 stars (4 / 5)

Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

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