Solospiele. Bis ich in Kontakt mit Freitag gekommen bin, war dies für mich das Kartenspiel Solitaire oder die Brettvariante in der man über Stifte springen muss. Freitag war für mich 2011 somit so etwas wie ein Game Changer. Im Grunde immer noch ein Kartenspiel, hat das Spiel doch mehr Tiefe in Solospiele gebracht und ist auch heute noch ein Solospiel, was ich gerne auf den Tisch bringe, wenn ich Lust auf ein Brettspiel habe, aber gerade keine Spielpartner verfügbar sind.

In Freitag schlüpft der Spieler, inspiriert vom Roman Robinson Crusoe in die Rolle eben jenes Freitags. In dieser Rolle trifft der Spieler auf Robinson mit dem Ziel ihn zu trainieren und zu überleben, so dass er eines Tages die Insel wieder verlassen kann.

Das Spielprinzip ist dabei recht simpel. Wir decken Karten auf und müssen je nach aufgedeckter Karten einen mehr oder weniger schweren Kampf meistern. Allerdings erst nachdem das Spiel vor einem aufgebaut wurde.

Für den Aufbau werden zunächst einmal die drei Stufenkarten in den Farben grün, gelb und rot auf den Tisch gelegt. Jede Stufe steht dabei für einen Durchlauf des Kartenstapels, so dass die schwierigste Stufe (rot) nach unten gelegt wird und die leichteste Stufe (grün) nach oben.

Als nächstes kommen die sogenannten Tollpatschkarten an die Reihe. Dies sind Kampfwertkarten, die den eigenen Kampfwert negativ beeinflussen. Von den insgesamt 11 Tollpatschkarten kommt die -3 Karte aus dem Spiel. Die übrigen Tollpatschkarten werden nach ihrer Einteilung normal und schwierig sortiert, die so entstanden Stapel gemischt und dann auf dem Tollpatschtableau abgelegt. Zuerste werden dabei die schweren Karten abgelegt, danach die normalen, wodurch die schweren Karten immer erst später in einer Partie ins Spiel kommen.

Nun müssen die 18 Robinson-Startkarten gemischt werden und auf das Robinsontableau gelegt werden. Dies sind später die Karten, die über den eigenen Kampfwert bestimmen.

Es folgen die Gefahrenkarten. Dies sind 30 Karten an der Zahl. Diese werden gemischt und auf das Gefahrentableu gelegt.

Nun braucht es für den Endkampf nach dem dritten Durchgang noch zwei Piraten, die zufällig aus den 10 enthaltenen Piratenkarten gezogen und neben den Tableaus offen ausgelegt werden.

Im letzten Vorbereitungsschritt nimmt man sich nun noch 20 Lebenspunkte aus dem Vorrat und legt zwei weitere als Reserve bereit.

Dann geht es los!

Im Grunde besteht ab jetzt jeder Zug bis zum Endkampf aus zwei Phasen. In Phase eins werden zwei Gefahrenkarten aufgedeckt und in Phase zwei wird die Gefahr bekämpft. Phase ist dabei ziemlich zügig abgehandelt. Es werden die obersten zwei Karten des Gefahrenstapels gezogen und offen vor sich ausgelegt. Von den beiden Karten wird nun eine Karte gewählt die man bekämpfen will und die andere Karte geht auf den Gefahrenablagestapel.

Willkommen in Phase 2, in der nun die Gefahr bekämpft werden muss. Auf der linken Seite der Gefahrenkarte befindet sich ein Wert, der anzeigt, wie viele Kampfkarten man als Spieler kostenfrei ziehen darf. Auf der rechten Seite befindet sich jeweils für die aktuelle Stufe ein Gefahrenwert. In der grünen Stufe gilt so zum Beispiel der grün hinterlegte Wert, den es dann gilt mit den gezogenen zu erreichen oder zu überbieten. Ob dies geschafft ist, ergibt sich aus der Summe des Kampfwertes (oben links auf den Kampfkarten) die gezogen wurden. Dabei wird nach jeder gezogenen Karte gecheckt ob das Ziel erreicht wurde oder nicht und sobald der Wert erreicht wurde steht es dem Spieler frei weitere Kampfkarten zu ziehen oder den Kampf gewonnen zu beenden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein Kampf nicht zwangsläufig verloren ist, wenn die letzte kostenlose Karte gezogen wurde. Gegen die Abgabe von Lebenspunkten dürfen nämlich weitere Karten gezogen werden, wobei jeder abgegebene Lebenspunkt einer weiteren Karte entspricht.

Wurde ein Kampf gewonnen wird aus der Gefahrenkarte eine Kampfkarte und wird mit den gezogenen Kampfkarten auf den Kampfkartenablagestapel gelegt. Wurde Gefahr nicht besiegt, müssen so viele Lebenspunkte abgegeben werden wie die Differenz zwischen erzielten Kampfwert und Gefahrenwert hoch ist. Der Verlust von Lebenspunkten an dieser Stelle hat allerdings auch einen positiven Effekt. Für jeden abgegebenen Lebenspunkt darf eine der gezogenen Kampfkarten zerstört werden, für zwei Lebenspunkte sogar eine Tollpatschkarte.

Wurde der Gefahrenstapel dreimal durchgespielt kommt es zum Finale. Hier tritt man gegen die beiden in der Spielvorbereitung ausgelegten Piraten. Der Kampf hier läuft wie jeder andere Kampf auch, mit dem Unterschied, dass man einen Kampf nicht verloren geben kann.

Auch ist es wichtig zu wissen, dass immer wenn man den eigenen Kampfstapel durchgespielt hat eine Tollpatschkarte ins Spiel kommt. Diese wird mit auf den Ablagestapel der Kampfkarten gelegt, der Stapel anschließend gemischt und wieder als Nachziehstapel bereitgelegt.

Durch Sonderfähigkeiten von diversen Kampfkarten kann man zudem ein wenige Strategie in die Kämpfe bringen, wobei immer gilt, dass jede Sonderfähigkeit einer Karte genau einmal pro Kampf eingesetzt werden kann, aber nicht muss. Sonderfähigkeiten von Tollpatschkarten müssen hingegen im Kampf wo diese Karte gezogen wird aktiviert werden.

Freitag ist also wirklich kein komplexes Spiel, aber ein Spiel mit vielen taktischen Möglichkeiten. So macht es durchaus Sinn einen Kampf bewusst als verloren zu werten um so schlechte Kampfkarten aussortieren zu können. Und genauso kann es Sinn machen mehr Karten als nötig zu ziehen um schlechte Karten für eine späteren Kampf schon gespielt zu haben. Ganz wichtig für den Erfolg ist auf jeden Fall der Einsatz der Sonderfähigkeiten. Diese jetzt im Detail zu erklären würde jetzt zu weit führen, aber kostenlos zusätzliche Karten ziehen zu können oder den Nachziehstapel sortieren zu können sind Aktionen die einem weiterhelfen und in vielen Fällen auch die Planung der nächsten Züge erleichtern.

Doch auch wenn die Regeln einfach sind, darf man nicht erwarten, dass Freitag ein Spiel ist, was einfach zu gewinnen ist. Bis zum Endkampf müssen eine Menge Kämpfe geführt werden und nicht immer ist das Kartenglück auf der Seite des Spielers. Und wenn man nicht am Kartenglück scheitert, dann können es Faktoren sein, wie dass man selber zu aggressiv gespielt hat, zu viele Kämpfe freiwillig verloren hat oder einfach die Sonderfähigkeiten nicht clever genug eingesetzt hat. Tatsächlich ist es so, dass man bei jedem Kampf seine Optionen sehr genau abwägen muss und es nicht den einen Weg gibt der zum Erfolg führt. Dadurch hat Freitag auch einen recht hohen Wiederspielwert, da einfach jedes Spiel anders verläuft und man nach einem Sieg auch sofort den Drang verspürt sein Ergebnis zu verbessern.

Wer auf der Suche nach einem wirklich schönen Solospiel ist kommt daher meiner Meinung nach an Freitag nicht vorbei!

Fakten

Name: Freitag
Autor: Friedemann Friese
Grafik: Marcel-André Casaola Merkle, Harald Lieske
Verlag: 2F-SPiele
Jahr: 2011
Art: Kartenspiel
Spieler: 1 Spieler
Spieldauer: ca. 25 Minuten
Alter: ab 10 Jahren

Unsere Wertung

Gnislew: 4 out of 5 stars (4 / 5)

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Von Gnislew

Herausgeber von Blogspiele - Die ganze Welt der Spiele. Spiele so ziemlich alles was ich in die Finger bekommen egal ob analog oder digital.

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