Ugo!: Ich brauche Bauern!

Manchmal kommen bei mir Spiele auf den Tisch, da habe ich das Gefühl diese schon einmal gespielt zu haben. Manchmal ist es nur ein Gefühl, aber im Falle von „Ugo!“ war es tatsächlich so. Vor der von KOSMOS in diesem Jahr veröffentlichten Version ist „Ugo!“ nämlich bereits 2013 auf der Spielemesse in Essen bei PLAYthisONE erschienen und meine Eltern hatten es seiner Zeit dort erworben und mit mir schon einmal gespielt. Da die KOSMOS-Edition in diesem Jahr auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres auftauchte, habe ich mir ohne zu wissen das Spiel bereits zu kennen ein Rezensionsexemplar zukommen lassen und hatte dementsprechend bei der Regelkunde ein déjà vu.

Stichspiel mit Kniff

Hinter „Ugo!“ verbirgt sich im Grund ein einfaches Stichspiel. Das Autorentrio Thomas Jansen (Tavern, Little Football Game), Ronald Hoekstra und Patrick Zuidhof (RoboRama, Bloqs) haben dieses Stichspiel allerdings mit einigen Kniffen versehen. Doch fangen wir erstmal mit dem Spielaufbau an.

Vor einer Partie bekommt jeder Spieler fünf Königreich-Abschnitte und legt dieser in der Reihenfolge A bis E vor sich ab. Anschließend werden die 45 Ländereienkarten, die in fünf Farben und mit den Werten null bis acht vorliegen, gemischt und an jeden Spieler zehn Karten ausgeteilt. Überzählige Karten werden zur Seite gelegt, so dass immer einige Karten nicht im Spiel sind. Nun kann das Spiel beginnen.

Der Spieler links vom Geber spielt dabei die erste Karte aus. Anschließend spielen die anderen Spieler reihum ebenfalls eine Karte, wobei Farbzwang herrscht und nur dann eine andersfarbige Karte gespielt werden darf, wenn man nicht bedienen kann.

Den Stich gewinnt dann der Spieler, der die höchste Karte gespielt hat. Hier kann es natürlich vorkommen, dass mehrere Spieler die höchste Karte gespielt haben. Hier greifen dann zwei einfache Regeln. Haben mehrere Spieler die höchste Karte gespielt und eine dieser Karten entspricht der angespielten Farben, gewinnt diese Karte den Stich, ansonsten gewinnt der Spieler, der die Karte mit dem höchsten Wert als erstes gespielt hat. Ist also eine sieben als höchster Wert von Spieler zwei gelegt worden und spielt Spieler drei nun ebenfalls eine sieben, gewinnt Spieler zwei den Stich.

Kniff 1

Nun kommt es zum ersten Kniff. Der gewonnene Stich wird nämlich nicht einfach zur Seite gelegt, sondern muss an die Königreich-Abschnitte des Spielers angelegt werden. Und zwar von links nach rechts. Auf jede Länderei kommt dabei genau eine Farbe. Hat man so zum Beispiel einen Stich mit blauen und grünen Karten gewonnen, kommen die blauen Karten auf einen Abschnitt und die grünen auf einen zweiten. Gewinnt man später dann zum Beispiel einen Stich mit blauen und gelben Karten, kommen die gelben Karten auf einen neuen Königreich-Abschnitt und die blauen Karten werden auf die bereits ausliegenden Karten in dem Abschnitt mit den blauen Karten gelegt.

Kniff 2

Der zweite Kniff in „Ugo!“ sind die Bauern. Damit die Königreich-Abschnitte überhaupt Punkte bringen, müssen diese mit Bauern versorgt werden. Nur Abschnitte, die mit der benötigten Anzahl an Bauern versorgt sind, bringen am Ende jeder Runde auch Punkte. Abschnitte die zwar mit Karten belegt sind, auf denen aber Bauern fehlen, bringen dagegen für jeden fehlenden Bauern Minuspunkte. Gut, dass die Abschnitte A und B immer schon bereits mit Bauern versorgt sind, für Abschnitt C braucht man allerdings zwei Bauern, Abschnitt D benötigt drei Bauern und Abschnitt E sogar vier Bauern um Punkte zu bringen. Schön dabei: sollte man es schaffen ein Abschnitt mit ausreichend Bauern zu versorgen, aber keine Karten dort liegen haben, gibt es dennoch Punkte. Abschnitt C bringt dann einen Punkt, Abschnitt D drei Punkte und Abschnitt E fünf Punkte.

Doch wie kommt man an die Bauern? Auf den Karten sind neben den Zahlenwerten auch Bauern abgebildet. Gewinnt man nun einen Stich, bekommt man die Anzahl an Bauern, die zwischen dem Wert der Karte abgebildet ist, mit dem der Stich gewonnen wurde. Um bei dem Beispiel mit der sieben von weiter oben zubleiben bedeutet dies, dass man einen Bauern bekommt, wenn man einen Stich mit einer Karte mit dem Wert sieben gewinnt.

Die Karte mit den Zahlenwerten eins und zwei stellen dabei Sonderfälle dar. Hier gewinnt man Bauern nur, wenn man diese Karten verliert. Bei einer eins bekommt man einen Bauern, wenn die verlorene Karte der Farbe der Karte entspricht die den Stich gewonnen hat. Unterscheidet sich die Karte der eigenen Karte von der der gewonnenen Karte bekommt man zwei Bauern.

Bei den Karten mit dem Wert zwei sieht es ähnlich aus. Hier erhält man bei Farbgleichheit allerdings keinen Bauern, aber zwei Bauern wenn die verlorene Karte und die Stichgewinnerkarte sich farblich unterscheiden.

Punkte, Punkte, Punkte

Sind zehn Stiche gespielt, endet eine Runde und es wird Zeit Punkte zu verteilen. Die jeweils oberste Karte eines Königreich-Abschnitts sind dabei die Punkte die man erhält. Liegt in einem Abschnitt so zum Beispiel die sieben oben, bekommt man genau sieben Punkte für diesen Abschnitt.

Davon abziehen muss man anschließend Minuspunkte für fehlende Bauern. Jeder fehlende Bauer bedeutet dabei fünf Minuspunkte. Anschließend werden die Ländereien neu gemischt, die Bauern wieder von den Abschnitten genommen und eine neue Runde startet. Wer dann nach vier Runden die meisten Punkte sammeln konnte gewinnt.

Clever und fies!

„Ugo!“ ist ein Spiel, das frischen Wind in die Spielart Stichspiele bringt. Hier gewinnt am Ende nämlich nicht der Spieler, der die meisten Stiche oder die meisten Punkte gesammelt hat, sondern derjenige, der am cleversten seine Stiche gesammelt hat. Es geht bei „Ugo!“ wirklich darum zu überlegen welchen Stich man gewinnen möchte und welchen man lieber nicht haben möchte, da man sich so in die Situation bringt mehr Bauern sammeln zu müssen oder sich seine Punkte kaputt macht. Auch geht es darum zu schauen, wie man am besten störende Karten loswird und mit diesen im Idealfall die Mitspieler ärgert. Eine Karte mit dem Wert null im richtigen Moment gespielt, macht aus dem wertvollen Abschnitt des Gegners plötzlich eine wertlosen Abschnitt. Eine richtig eingesetzte eins bringt wichtige Bauern. Bei „Ugo!“ heißt es wirklich bei jedem Stich genau hinschauen und mitdenken welche Karte Sinn macht.

Dies ist auch der Grund, warum mir „Ugo!“ gut gefallen hat. Das Spiel kombiniert übersichtliche Regeln mit tiefgehenden und anhaltenden Spielspaß, bringt die richtige Portion Glück mit und überzeugt mit der richtigen Dosis an Schadenfreude. „Ugo!“ hat es aus meiner Sicht somit zu Recht auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres geschafft!

Fakten:

Titel: Ugo!
Autor: Thomas Jansen, Ronald Hoekstra, Patrick Zuidhof
Grafik: Imelda Vohwinkel, Franz Vohwinkel
Verlag: KOSMOS
Erscheinungsjahr: 2015
Kategorie: Kartenspiel
Spieler: 2 – 4 Spieler
Spieldauer: ca. 30 Minuten
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew
Yelref
Schnaetty
Durchschnitt:

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Die Bildrechte für das Beitragsbild liegen bei KOSMOS.

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