Albion – Die Römer besiedeln England

Gelegenheitsspieler taugliche Strategiespiele gibt es nicht viele. Diese Marktlücke hat auch AMIGO erkannt. Mit „Albion“ versucht der Verlag in die Bresche zu springen und bringt ein Strategiespiel in den Handel, dass sowohl schnell zu lernen sein soll, gleichzeitig aber auch taktische Tiefe mit sich bringt. Doch ist dieses Vorhaben gelungen. Ist „Albion“ der heilige Gral für Strategie liebende Gelegenheitsspieler?

Das Spiel präsentiert sich auf jeden Fall mit guten Ansätzen um genau dies zu sein. Im Zuge der Expansion des römischen Reiches übernehmen die bis zu vier Spieler die Rolle eines römischen Heerführers und versuchen die Erweiterung des römischen Reiches möglichst erfolgreich abzuhandeln. Dabei spielen die Spieler aber nicht miteinander, sondern jeder Spieler versucht der Beste Feldherr zu sein. Vom Startfeld im Süden der britischen Insel machen sich alle Spieler daran das Land zu besiedeln, mit dem Ziel drei Städte der höchstmöglichen Ausbaustufe zu errichten. Doch einfach so darf man die Städte natürlich nicht errichten. Um dieses Ziel zu erreichen braucht man zum einen Rohstoffe und zum anderen Bewegungspunkte um die eigenen Siedler in die Felder zu bewegen.

Beides bekommt man, indem man Aktionen durchführt. Hier hat mal genau zwei verschiedene Möglichkeiten. Die eine Aktion, die man durchführen kann ist „Bewegen und Bauen“. Hierbei bewegt man seine Siedler und Söldner insgesamt so viele Felder vorwärts, wie man Bewegungspunkte hat. Zu Beginn einer Partie hat jeder Spieler zwei Bewegungspunkte, kann seine Figuren alle insgesamt zwei Felder bewegen. Hat man seine Figuren bewegt, muss man sich noch entscheiden ob man bauen will. Neue Gebäude dürfen nur in Feldern errichtet werden, in denen noch kein anderes eigenes Gebäude steht, vorhandene Gebäude dürfen aber in ihrer Entwicklungsstufe ausgebaut werden. Der Bauvorgang gestaltet sich dabei ganz einfach. Ein Gebäude der Stufe 1 kostet einen Rohstoff, ein Gebäude der Stufe 2 kostet zwei unterschiedliche Rohstoffe, ein Gebäude der Stufe 3 kostet drei unterschiedliche Rohstoffe und ein Gebäude der Stufe 4 kostet vier unterschiedliche Rohstoffe. Will ein Spieler nun bauen, bezahlt er einfach die erforderlichen Rohstoffe und legt das geplante Gebäude mit der Rückseite auf das Feld, wo es errichtet werden soll.

Dies wird deshalb so gemacht, da die britische Insel nicht ohne Gegenwehr an die Römer fehlt. In den verschiedenen Gebieten der Insel gibt es nämlich Pikten. Diese können den Spielern freundlich gesinnt oder aber auf Ärger aus sein. Welche Gesinnung die Pikten haben, weißt man nur leider nicht bevor man baut, denn diese liegen verdeckt auf dem Spielplan. Bei einem Bauversuch wird nun einer der verdeckten Pikten umgedreht. Ist der aufgedeckte Pikte friedlich passiert nichts, ist er feindlich findet ein Überfall statt. Nun müssen alle Spieler mit Gebäuden in dem Feld gegen diesen Angriff erwehren. Hierzu zählt der Spieler die Stärke seiner Befestigungsanlagen auf dem Spielfeld und addiert die Söldner, die sich in dem angegriffenen Feld befinden. Ist diese Zahl gleich oder höher der angreifenden Pikten wehrt ein Spieler den Angriff ab. Ist der Wert niedriger, gewinnen die Pikten. Dies bedeutet, dass das geplante Gebäude nicht gebaut werden darf. Für einen Spieler der nicht baut, heißt dies, dass das höchstrangige Plättchen in diesem Feld wieder zurück in den Vorrat muss. War ein Bau erfolgreich, wird der Siedler, der gebaut wieder, wieder zurück auf das Startfeld gestellt.

Wie erwähnt ist die zweite Option bei den möglichen Aktionen „Rohstoffe nehmen“. Hierbei nimmt sich der Spieler aus dem Vorrat so viele Rohstoffe wie im derzeit zustehen. Zu Beginn sind dies ein Holz und ein Fisch, der Ertrag kann aber gesteigert werden, indem man mit einem Siedler auf eines der Rohstofffelder zieht und seinen Marker aufwertet. Dies geschieht durch einen ganz normalen Bauvorgang und so wie weiter oben beschrieben. So kann man den Rohstoffertrag auf bis zu drei Einheiten pro Rohstoff erhöhen. An die beiden anderen Rohstoffe Stein und Gold gelangt man auf die gleiche Weise, nur dass hier zu Beginn noch nicht einmal die erste Stufe gebaut ist, sondern erst errichtet werden muss.

Nach diesem Prinzip werden die einzelnen Spielzüge abgehandelt, bis einer der Spieler die Siegesbedingung erreicht: seine drei Stufe 4 Städte zu errichten. Die laufende Runde wird noch zu Ende gespielt und dann ist der Spieler der Sieger, der das Ziel als erstes erreicht hat. Sind dies mehrere Spieler, entscheidet die Anzahl der Pikten in den besiedelten Feldern über Sieg und Niederlage.

Leider muss ich sagen, dass sich trotz der guten Idee des Spiels der Funke bei mir nicht so Recht überspringen wollte. Das Problem ist einfach, das der Spagat zwischen Einsteigerfreundlichkeit und taktischer Tiefe meiner Meinung nach nicht so recht funktioniert. Durch die wenigen Aktionen de man machen kann, besteht die einzige Taktik darin zu schauen, wo man am besten was baut und wann man Rohstoffe nimmt. Was die Mitspieler machen ist die meiste Zeit egal, man spielt eher nebeneinander her. Nur in der Schlussphase einer Partie „Albion“ versucht man des öfteren Mal den Gegner durch umplatzieren von Pikten das Leben schwer zu machen. Aus meiner Sicht, ist „Albion“ einfach auf eine zu lange Spielzeit ausgelegt. 75 oder mehr Minuten trägt das Spielprinzip einfach nicht und ich denke, dass „Albion“ gut funktionieren würde, wenn eine Partie 30 bis maximal 45 Minuten dauern würde.

Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist die Anleitung zu „Albion“. Im Prinzip gut strukturiert, sind es die Formulierungen, die einen dazu zwingen manche Passagen zwei oder dreimal zu lesen, bis man komplett verstanden hat, wie eine bestimmte Regel funktioniert. Gerade der Bereich, der das Verhalten der Pikten beschreibt, ist nicht unbedingt sofort verständlich.

So ist „Albion“ für mich eher ein Strategiespiel der zweiten Wahl, da mir in diesem Bereich komplexere Spiele einfach mehr Freude bereiten. Um einen Einstieg in die Welt der Strategiespiele zu erhalten ist „Albion“ aber durchaus ein solider Titel. Gerade jüngere Spieler werden durch die einfachen strategischen Möglichkeiten nicht überfordert und können so ihre ersten Schritte in diesem Bereich tätigen.

Fakten:

  • Titel: Albion
  • Autor: Klaus-Jürgen Wrede
  • Grafik: Dennis Lohausen
  • Verlag: AMIGO
  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Kategorie: Gesellschaftsspiel, Strategiespiel
  • Spieler: 2 – 4 Spieler
  • Spieldauer: ca. 75 Minuten
  • empfohlenes Alter: ab 10 Jahren

Unsere Wertung:

Gnislew
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